Krampuslauf in Toblach

| Geschichtenhüter

Wenn besinnliche Adventszeit und schaurige Tradition aufeinandertreffen.

Der Advent in Südtirol ist eine besondere Zeit: Der Duft von Keksen, warme Stuben, flackernde Kerzen. Es ist die stille, besinnliche Jahreszeit – und genau in dieser sanften Atmosphäre bricht in Toblach ein Ereignis hinein, das alles andere als leise ist. Der Krampuslauf, wild, archaisch und voller Energie, bildet einen faszinierenden Gegenpol zur weihnachtlichen Ruhe. Und gerade dieses Zusammenspiel macht ihn so unvergesslich. 

 

Warum der Krampuslauf in Toblach besonders ist 

In Toblach treffen zwei Welten aufeinander: die Stille des Advents und die kraftvolle Tradition der Krampusse, die hier „Toifl“ genannt werden. 
Während Häuser warm leuchten und die Berge im ersten Schnee funkeln, hallen plötzlich schwere Glocken durch den Ort. Über 600 Krampusse aus Südtirol, Österreich, Deutschland und der Schweiz ziehen durch die Straßen und verwandeln Toblach für einen Abend in eine Bühne zwischen Faszination und Gänsehaut. 
Kinder halten die Hand ihrer Eltern etwas fester, manche staunen, manche lachen – und manche verstecken sich kurz hinter einem Schal. Doch niemand bleibt unberührt. Der Krampuslauf ist kein Spektakel, das man nur anschaut. Man spürt ihn. 
 

Eine alte Krampus-Tradition, die unter die Haut geht 

Die Geschichte der Krampusse reicht tief in die Vergangenheit. Vieles deutet darauf hin, dass ihre Ursprünge in heidnischen Winterritualen liegen, die böse Geister vertreiben sollten. Lautes Glockengeläut, rasselnde Ketten, wilde Masken – all das sollte einst die dunkle Jahreszeit bändigen und den Menschen Schutz bieten. Als das Christentum den Alpenraum erreichte, wurden diese mächtigen Figuren nicht verdrängt – sie wurden eingebunden. So entstand die Verbindung zwischen dem gutherzigen Nikolaus und seinen strengen Begleitern. 
Heute erzählen viele Südtiroler, dass Kinder seit Generationen mit dem Satz aufwachsen: „Wenn du nicht brav bist, kommt der Krampus.“ - pädagogisch allerdings sehr fragwürdig;-) 

In Toblach und vielen anderen Ortschaften wurde diese Tradition über Jahrzehnte bewahrt, gepflegt und weiterentwickelt. Und während moderne Umzüge oft zu Shows werden, spürt man hier noch etwas Echtes: den Kern eines alten Alpenbrauchs, der Respekt, Ehrfurcht und Gemeinschaft verbindet.
 

Krampuslauf Südtirol - ein Erlebnis für Groß und Klein 

Früher sollten die Krampusse den Bewohnern Respekt einflößen. Heute ist der Krampuslauf ein Erlebnis, das die ganze Familie bewegt. Die Glocken dröhnen tief im Bauch, der Duft der Felle mischt sich mit winterlicher Bergluft, und die Mischung aus Nervenkitzel und Staunen lässt niemanden kalt. Besonders mutige Besucher – die sogenannten „Toifltratzer“ – provozieren die Krampusse sogar und sorgen damit für zusätzliche Action. Doch trotz der wilden Energie: Wirklich fürchten muss sich heute niemand mehr. Die Tradition lebt, aber sie bleibt sicher und gemeinschaftlich. 

 

3 Fragen an den begnadeten Schnitzer Tim Rainer aus Innichen:

Aus welchem Holz werden die Larven gefertigt?

Für die Larve verwende ich Zirbenholz, da dieses sehr weich und einfach zu schnitzen ist. Ich kaufe Bretter und verleime jeweils drei Bretter zu einem Block. Sobald dieser getrocknet ist, schneide ich quadratische Blöcke ab und bearbeite sie mit der Motorsäge, damit man grob die Form sieht. Dann beginnt die Feinarbeit mit dem Eisen. Bereits im Vorhinein muss man eine klare Vorstellung haben, wie die Larve ausschauen soll. Ich zeichne die Umrisse aufs Holz, beginne mit der Nase und arbeite mich dann Stück für Stück vorwärts. Jede Maske verkörpert die Handschrift eines Schnitzers. 

Wie schwer ist eigentlich die gesamte Ausrüstung?

Die gesamte Ausrüstung wiegt mittlerweile zwischen 15-20 kg. Die Larven sind immer leichter geworden und auch bei den Glocken verwenden wir andere als unsere Kollegen in Osttirol. Die Felle werden auf Maß angefertigt und bestehen je nach Wunsch aus Ziege, Schaf, Hirsch oder Gams, was natürlich auch das Gewicht beeinflusst. 

Wie viel Zeit benötigt man bis eine Maske fertig ist?

Pro Maske benötige ich zwischen 35-40 Stunden. Besonders aufwändig ist der Mund bzw. die Zähne. Je mehr Zähne desto länger dauert es. Die Larve wird zudem innen ausgehöhlt und an die Person angepasst. Sobald die Larve fertig geschnitzt ist, ist die Arbeit jedoch noch nicht fertig. Dann wird sie noch bemalt, die Hörner müssen angepasst werden und zum Schluss kommt noch das Fell. Bei den Hörnern verwende ich ausschließlich einheimische Material, welches ich von Bauern oder Jägern bekomme.

 

Warum du den Krampuslauf in Toblach unbedingt erleben solltest


– Weil er zu den größten und eindrucksvollsten Läufen im Alpenraum zählt
– Weil hier Tradition nicht inszeniert wird – sie wird gelebt
– Weil die Kombination aus besinnlicher Adventszeit und archaischer Energie einzigartig ist
– Weil handgefertigte Masken, echte Hörner und schwere Fellkostüme unglaublich beeindruckend sind
– Weil der Krampuslauf in Toblach eine Seite Südtirols zeigt, die man erleben muss, um sie zu verstehen
Wenn du im Dezember in der Nähe bist, verpass dieses Ereignis nicht. Lass dich von der Atmosphäre tragen, von den Glocken erschüttern und von der jahrhundertealten Tradition berühren.


Der Krampuslauf ist mehr als ein Umzug.
Er ist ein Gefühl.
Ein Funken Gänsehaut mitten im Advent.
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